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Die älteste bekannte Zivilisation auf dem indischen Subkontinent, und eine der ältesten Hochkulturen der Welt, ist die Indus-Kultur. Ihre Geschichte reicht mindestens 5000 Jahre zurück. Leonard Woolley nahm an, dass arische
Stämme um etwa 1500 v. Chr. in das Gebiet der Induskultur eindrangen.
Die Vermischung und kulturelle Befruchtung zwischen Ariern und den
früheren Bewohnern der Region ließ die klassische indische Kultur
entstehen und prägte den damals aufkommenden Hinduismus entscheidend.
Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. entfaltete sich der Buddhismus, der fast 1000 Jahre neben dem Hinduismus eine der maßgeblichen Geistesströmungen Indiens war.
In Indien spielten immer auch Einflüsse von außen eine große politische Rolle: arabische und zentralasiatische Invasionen begannen im 8. und 12. Jahrhundert und wurden ab dem 15. Jahrhundert durch europäische Händler fortgesetzt. Während der Moguldynastie spielten die Einflüsse der persischen Kultur eine große Rolle. Im 19. Jahrhundert hatte Großbritannien die vollständige politische Kontrolle über alle indischen Territorien.
Der Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft, vor allem unter Mahatma Gandhi und Jawaharlal Nehru, führte 1947 zur Unabhängigkeit. Der Subkontinent wurde in zwei Staaten aufgeteilt, den säkularen (Hindu-)Staat Indien und den kleineren islamischen Staat Pakistan.
Nach zwei vorangegangenen Kriegen mit Pakistan führte ein dritter Krieg
1971 zur Abspaltung Ostpakistans und zur Gründung des neuen Staates Bangladesch.
Heute sind die fundamentalen Probleme Indiens einerseits der fortdauernde Streit mit Pakistan um die Region Kaschmir, andererseits die starke Überbevölkerung, die zunehmende Umweltverschmutzung, die ausgedehnte Armut sowie ethnische und religiöse Konflikte zwischen Hindus und Moslems.

Die Vorgeschichte Indiens geht bis in Paläolithikum zurück. Indien liegt am östlichen Rand der Verbreitung von Faustkeilen. Industrien des Altpaläolithikums sind durch grobe Faustkeile, Chopper, Chopping Tools und Keilmesser charakterisiert. Die frühesten bekannten Funde stammen aus dem Acheuléen. Die südindischen Industrien des Altpaläolithikums sind auch unter der Bezeichnung Madrasien bekannt, nach dem 1863 durch Bruce Foote entdeckten Fundplatz bei Madras, die aus dem Punjab als Soan.
Es sind sowohl Freilandsiedlungen als auch Höhlenfundorte bekannt, die
meisten Funde stammen jedoch aus den Schotterterrassen größerer Flüsse
und sind umgelagert. Die Fundstelle von Bhimbetka III F-23 bei Hoshangabad in Madhya Pradesh stellt einen der wenigen stratifizierten Fundorte dar. Hier wurde eine Stratigraphie beobachtet, die vom späten Acheuléen bis ins Neolithikum
reicht. In den Schichten des späten Acheuléen wurden fünf runde, mit
flachen Steinen gepflasterte Befunde beobachtet, die vielleicht die
Standorte von Zelten oder einfachen Windschirmen anzeigen. Der Großteil
der Werkzeuge besteht aus grobem gelblichem Quarzit, Artefakte aus Chalcedon und grobem Silex sind selten. Der Hügel von Adamgahr bei Hoshangabad und die Höhle von Gudiyam bei Madras haben ebenfalls stratifizierte Funde aus dem Alt- und Mittelpaläolithikum geliefert. Aus Hathnora im Narmadatal stammen Hominidenreste aus dem mittleren Pleistozän.
Mittelpaläolithische Industrien weisen verstärkt Werkzeuge auf, die aus Abschlägen
hergestellt sind, auch Abschläge von speziell präparierten Kernen sind
bekannt. Im Mittelpaläolithikum bilden sich bereits deutliche lokale
Unterschiede aus, zum Beispiel zwischen den Industrien des Dekkan und Zentralindiens und den Traditionen des Punjab und des Industals. Das Nevasan (nach der Fundstelle von Nevasa in Maharashtra)
steht am Übergang zwischen Alt- und Mittelpaläolithikum. Hier wurden
vor allem feinere Silices verarbeitet, was zu dem „fortgeschritteneren“
Aussehen der Artefakte beigetragen haben mag. Deutliche Bulben
an den Artefakten verweisen auf die Technik des direkt harten Schlages.
Neben kleinen Faustkeilen kommen retuschierte Abschläge, darunter
Bohrer mit steiler Retusche, vor. Kratzer sind häufig und in der Form
sehr variabel, die Werkzeuge zeigen insgesamt kaum eine
Standardisierung. Westlich des Aravalligebirges,
insbesondere im Luni-Becken, findet sich ein wesentlich höherer Anteil
von Werkzeugen aus Abschlägen, auch hier sind Kratzer die
vorherrschende Form. Daneben kommen auch Stichel und Lateralretuschen
aus präparierten Abschlägen vor. Das vorherrschende Rohmaterial ist Rhyolith.
In Jerruk bei Hyderabad
wurden Schlagplätze mittelpaläolithischer Artefakte ausgegraben. Neuere
Funde sind zum Beispiel ein mittelpaläolithisches Bergwerk im
Kaladgi-Becken in Südindien.
Im Jungpaläolithikum finden sich die ersten Klingen-Industrien.
Es wird eine lokale Entwicklung von Klingenindustrien in den Rohri- und
Luni-Gruppen angenommen. Für jungpaläolithische Funde aus dem Belan im südlichen Uttar Pradesh
liegen Radiokarbon-Daten von 18.000-17.000 v. Chr. vor. Zu Beginn des
Jungpaläolithikums wurde vermutlich noch mit direkt hartem Schlag
gearbeitet, spätere Industrien des Jungpaläolithikums zeigen sehr
regelmäßige Klingen und flaue Bulben, hier wurde vielleicht bereits ein
Hammer aus organischem Material eingesetzt. Auch paläolithische Felskunst
ist bekannt. Organische Reste wie Knochen haben sich nur selten
erhalten, deshalb ist wenig über Ernährung und Lebensweise bekannt.

Mesolithische Industrien setzen zu Beginn des Holozäns
im 9. Jahrtausend ein, eine jägerische und sammlerische Lebensweise
wurde in vielen Teilen Indiens jedoch bis weit ins Neolithikum,
teilweise bis in die Gegenwart fortgesetzt. Der Übergang vom
Jungpaläolithikum zum Mesolithikum scheint in Zentral- und Westindien
ebenfalls eine lokale Entwicklung gewesen zu sein. Das verwendete
Rohmaterial ändert sich allmählich, Quarz wird beliebt, und die
Artefakte werden zunehmend kleiner. Mesolithische Artefakte sind vor
allem aus regelmäßigen Klingen gefertigt.
Mesolithische Fundstellen sind sehr häufig, wenn allein Artefakte
aus geschlagenem Stein erhalten sind, ist allerdings die Entscheidung,
ob es sich um Jäger und Sammler oder frühe Ackerbauern handelt, oft
schwierig. Die Fundstelle von Budha Pushkar z.B. hat Schlagplätze mit
mikrolithischen Artefakten, Keramik in chalkolithischer Tradition und einen Angelhaken aus Kupfer erbracht. Aus Bagor in Rajasthan
stammen Hüttengrundrisse mit gepflasterten Fußböden, auch hier ist die
kulturelle Zuordnung aber nicht völlig sicher. Fundstellen mit
mesolithischen Industrien wie Langhnaj in Gujarat scheinen noch parallel mit der Indus-Kultur vorzukommen. Aus der Fundstelle Damdama in Uttar Pradesh sind aus dem 3. Jahrtausend Belege für die Nutzung von wildem Reis und anderen wilden Gräsern (Eleusine indica, Dactylocitum sp.) bekannt. Die Tierknochen stammen alle von Wildtieren. Unter anderem wurden in den späten Schichten zahlreiche Hühner-Knochen gefunden. Forscher wie Fuller (2000, 199) erwägen eine lokale Domestikation in mesolithischem Kontext.
Mesolithische Felskunst ist aus Zentralindien bekannt, z.B. aus dem Felsdächern von Baghai Khor, Bhimbetka bei Bhopal und Adamgarh. Die Felsbilder von Morhana Pahar bei Mirzapur zeigen bereits domestizierte Ziegen und Streitwagen. Die Malereien sind meist mit Hämatit ausgeführt. Aus Mahadaha
liegen eine Anzahl gestreckter Bestattungen vor, die Beigaben von
Pfeilspitzen, Tierknochen und Knochenanhängern aufwiesen. Weitere
wichtige Fundstellen sind Sarai-Nahar-Rai, Birbhanpur in Bengalen und Morhana Pahar in Zentralindien.

Die Mehrgahr-Kultur in Pakistan und Nordwestindien datiert ins 7. Jahrtausend v. Chr. und stellt die bisher früheste neolithische Besiedlung dar. In Mehrgarh
selber wurden in der letzten Siedlungsphase Häuser aus Lehmziegeln und
Hockerbestattungen mit reichen Beigaben ausgegraben. Bereits in der
ersten, akeramischen Siedlungphase wurden Weizen, Gerste und Dattelpalme
angebaut. Die Tierknochen stammen noch vorwiegend von Wildtieren;
Rindern, Ziegen, Schafen etc. In einer entwickelten Phase der Kultur
wurde das Zebu und vielleicht Schafe vor Ort domestiziert, Ziegen und domestiziertes Getreide stammt vermutlich aus Westasien.
Auch in Rajasthan scheinen bereits im 7. Jahrtausend domestizierte
Weizenarten angebaut worden zu sein. Sichere Domestikate stammen aus
der prä-Harappa-Phase im ausgehenden 4. Jahrtausend aus Fundstellen der Ahar-Kultur
wie Balathal. Hier sind auch domestizierte Rinder und Schafe belegt. Ab
ca. 5000 v. Chr. spricht man in Nordwestindien von einer
prä-Harappa-Kultur.
Wann der Übergang zu einer neolithischen Wirtschaftsweise im
Gangestal vor sich ging, ist unklar, der Übergang scheint sehr fließend
zu sein und liegt zwischen dem 6. und 5. Jahrtausend v. Chr. Kultigene wie Weizen und Flachs erreichten das Gangestal scheinbar erst während der Harappa-Kultur
(2500–2000 v. Chr.), und drangen von da aus ab ca. 2500 v. Chr. weiter
nach Zentralindien (Kayatha) vor. Aus der Fundstelle Senuwar am
mittleren Ganges sind in der ersten Phase Reis (Oryza sativa) und Fuchsschwanz (Setaria pumila) nachgewiesen, erst aus einer späteren Phase Weizen, Gerste, Linsen und Erbsen. Afrikanische Kulturpflanzen wie Sorghum, Lablab purpureus und Vigna unguiculata
tauchen erst im späten 2. Jahrtausend v. Chr. auf. Auf der Fundstelle
Hulas am oberen Ganges stammen aus der Zeit zwischen 1800 und 1300
Funde von Früchten der Großen Scharlachranke (Coccinia grandis).
In Gujarat war die neolithische Produktionsweise vermutlich seit dem
4. Jahrtausend v. Chr. bekannt. Fundstellen wie Padri belegen die
Herstellung von Keramik und eine sesshafte Lebensweise in der Padri-Kultur. Aus Saurashtra sind domestizierte Tiere belegt. Um 4000 v. Chr. sind domestizierte Rinder aus Bagor im nördlichen Gujarat belegt, weitere Fundstellen sind Loteshwar und vielleicht Adamgarh, wo Rinder und Schafe in einem mesolithischen Kontext nachgewiesen wurden.
Die neolithischen Funde aus Assam bestehen vor allem aus Steinbeilen, die schwierig zu datieren sind. Aus Daojali-Hading
stammt Keramik mit Schnurabdrücken bzw. Abdrücken eines
schnurumwickelten Paddels („cord-marked ware“), die manche Forscher mit
südchinesischer Keramik verbinden möchten. Auch hier liegen jedoch
keine zuverlässigen Daten vor.
Während das südindische Neolithikum wegen der geschliffenen
Steingeräte, besonders von Hacken mit ausgeprägter Schulter
(„shouldered celts“) traditionell auf nordostindische Vorbilder
zurückgeführt wurde, mehren sich in den letzten Jahren die Anzeichen
für eine unabhängige Entstehung. Wichtige Domestikate waren Mungbohne (Vigna radiata), deren wilde Vorfahren in den westlichen Ghats vorkommen, Macrotyloma uniflorum, Hirse, (Brachiaria ramosa) und Fuchsschwanz (Setaria verticillata). Die wilden Vorformen der letzten beiden Gräser wuchsen in den Savannen des südlichen Dekkan. Vielleicht wurden auch Yams (Dioscorea) genutzt, Knollenfrüchte sind jedoch notorisch schlecht nachzuweisen. Andere Hirsearten, wie Panicum sumatrense, Paspalum colona, Echinochloa colona und Setaria pumila wurden vielleicht nur gesammelt. Dazu kamen Jujuben, Myrobalam (Phyliantehus emblemica), Mandeln (Buchnania lanzan), Feigen und vielleicht wilde Gurkengewächse (Cucumis sp.). Während des späten Neolithikums und Chalkolithikums tauchten Kulturpflanzen afrikanischer Herkunft, wie Mohrenhirse (Sorghum), Perlhirse (Pennisetum glaucum), Faselbohne (Lablab purpureus) und Augenbohne (Vigna unguilatica) auf, und nordindische Kulturpflanzen wie Weizen und Gerste wurden allmählich übernommen. Das Neolithikum des südlichen Dekkan wird in die folgenden Phasen unterteilt:
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Datierung |
| Ashmond Tradition, Phase 1 |
2800–2200 |
| Ashmond Tradition, Phase 2 |
2200–1800 |
| Ashmond Tradition, Phase 3 |
1800–1000 |
Im Dekkan
wurden im frühen 2. Jahrtausend v. Chr. Weizen, Gerste, und
Hülsenfrüchte angebaut. Nutzpflanzen aus China oder Zentralasien
tauchen um die Wende zum 2. Jahrtausend v. Chr. auf. Es handelt sich um
Hirse /Setaria italica L., Panicum miliaceum L. und Hanf (Cannabis sativus L.).

Die vedische Kultur hatte ihre Anfänge etwa ab 1500 v. Chr. und wurde von den (vom Norden her) einwandernden Ariern
wesentlich geprägt, als sie sich mit den einheimischen Stämmen
vermischten. Diese Wanderungsbewegungen gingen sehr langsam vonstatten.
In der frühvedischen Zeit (ca. 1200–900 v.Chr.) erfolgte die Ansiedlung
im Punjab und westlichen Ganges- und Yamuna-Tal.
Die vedische Religion, die von Opferritualen und Hymnen an die Götter
geprägt ist, erlebte eine erste Blütezeit. In dieser Phase entstanden
zum Beispiel die Riksamhitas,
das sind Loblieder an die Götter. Die Götterwelt ähnelte der
indogermanischen Götterwelt. Man bittet die Götter um Reichtum, Gold
und Rinder. Die Lebensweise, die am Anfang noch halbnomadisch war, ging
fließend in die Sesshaftigkeit über. Das Wort für Wagenzug (grama) zum
Beispiel machte einen Bedeutungswandel durch und bedeutet später Dorf.
In der spätvedischen Zeit (ca. 900–600 v. Chr.) ging die Ansiedlung
der Arier im östlichen Gangestal vonstatten. Eine Phase der
Urbanisierung und Reichsbildung begann. Seit ca. 600 v. Chr. gab es
etwa sechzehn Königtümer, die wahrscheinlich Zusammenschlüsse zweier
oder mehrerer Stämme waren. Grenzen waren damals noch nicht so genau
festgelegt. In dieser Phase entwickelten sich viele Städte, in denen
Handel getrieben wurde. In der Kriegstechnik setzte man nun auch
gezähmte Elefanten ein. Die Reisproduktion wurde intensiviert. Im 5.
Jahrhundert legte König Bimbisara den Grundstein für die zukünftige dominierende Stellung des Reiches von Magadha.
In der spätvedischen Zeit entstand die mythologische Legitimation für das Kastenwesen. An der Spitze der gesellschaftlichen Hierarchie standen die Brahmanen (Schriftgelehrte, Priester), gefolgt von den Kriegern Kshatriyas und den Händlern, Handwerkern und Bauern Vaishyas. Am unteren Ende der Gesellschaft befanden sich die Angehörigen der ursprünglichen Bevölkerung, die als Diener Shudras lebten. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Stratifizierung der Gesellschaft in der vedischen Zeit noch nicht so ausgeprägt war.
Das Ende der vedischen Zeit (6. und 5. Jahrhundert v. Chr.) war
politisch wie auch religiös eine Zeit des Umbruchs. In Magadha traten
zwei Religionsstifter hervor, deren Lehren zwar Gemeinsamkeiten mit dem
vedischen Glaubenssystem aufwiesen, wie der Kreislauf der
Wiedergeburten (Samsara) und das Gesetz der Tat (Karma), jedoch aber eine Weiterentwicklung bieten. Mahavira
begründete der Überlieferung gemäß als letzter von 24 so genannten
„Furtbereitern“, den auf asketische Traditionen zurückgehenden Jainismus. Der, ebenfalls als Prinz eines kleinen Fürstentums geborene, Siddhartha Gautama schließlich lehrte als Buddha 40 Jahre lang den „Weg der Mitte“, den Buddhismus.
Kurz nach dem Eindringen von Alexander dem Großen (326 v.Chr.) legte Chandragupta Maurya
um 321 v. Chr. die Grundlagen für das erste indische Großreich. Während
der ersten großen Dynastie Indiens, der Maurya-Dynastie (320–185 v.
Chr.) dehnte sich das Reich durch Eroberungen immer mehr aus. Unter
König Ashoka
(268–233 v.Chr.) reichte der Einfluss bis nach Südindien. Die zentrale
Verwaltung mit ihrem Beamtenapparat umfasste jedoch nur das Kerngebiet
des Reiches in der Gangesebene; ausgenommen bleibt der südliche Teil
des Subkontinents (dravidische Staaten). Hauptstadt war Pataliputra (das heutige Patna). Ashoka, der sich zum Buddhismus bekannte, begründete u.a. mit der Eroberung Kalingas
das erste Großreich auf indischem Boden und zugleich den ersten, auf
friedfertiger Toleranz beruhenden sozialen Wohlfahrtsstaat der Antike.
Ashoka hinterließ zahlreiche Felsenedikte,
weshalb diese geschichtliche Periode relativ gut dokumentiert ist. Das
Reich zerfiel um 185 v.Chr. in zahlreiche Einzelstaaten. Der letzte
Vertreter der Maurya-Dynastie wurde von seinem General Pushyamitra Shunga ermordet, der dann die Shunga-Dynastie begründete.

Um 250 bis 100 v. Chr.: In der Nachfolge der Alexanderzüge entstand im nordwestlichen Grenzgebiet von Baktrien und Gandhara (heute: Afghanistan und Pakistan) das hellenistische Gräko-baktrische Reich.
Man verzeichnete eine Entfaltung der buddhistischen Kunst und Kultur.
Das Reich zerfiel mit dem Eindringen der aus Zentralasien stammenden Skythen, die von den Indern Shakas genannt werden.
In Nordindien regierten zwischen 185 und 73 v. Chr. die Shunga. Sie zogen den Brahmanismus erneut dem Buddhismus vor und pflegten das Sanskrit. Die Finanzierung buddhistischer Klöster war ihnen wohl zu teuer. Im Dekkan hatten sich die Shatavahana
festgesetzt und anscheinend auch schon Ashokas Herrschaft entzogen. Sie
regierten vier Jahrhunderte, ca. 230 v. Chr. bis 199 n. Chr., ihr
Kernland war der Oberlauf des Godavari um Nasik
und Paithan. Um 180 v. Chr. schlug ihr König Satakarni auch die Shunga
zurück. Die vierte indische Macht neben Shunga, Shaka und Shatavahana
war damals das wiederaufgestiegene Kalinga.
Um 50 v. Chr.: Die iranischen Parther verdrängen die Shakas, werden ihrerseits aber von den Kushana (ursp. Yüe-tschi) geschlagen, die in Baktrien und Gandhara ein blühendes Reich errichten. Unter König Kanishka (1./2. Jahrhundert n. Chr.) erreicht es seine größte Macht. Förderung und Entfaltung des Buddhismus (Kunstschulen von Mathura und Gandhara) gehören zu den kulturellen Leistungen. Das Kushana-Reich
verfiel in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts und wird bis heute
wegen seiner nichtindischen Herkunft eher gering geschätzt.
320–510: In Nordindien herrschte die Dynastie der Gupta, während im Dekkan das Vakatakareich eine herausragende Position einnahm. Im 5. Jahrhundert kam es zur Errichtung der buddhistischen Universität von Nalanda,
die mit über 10.000 Studenten und angeblich 9 Mio. Büchern die größte
Lehrstätte der antiken Welt war. Die Guptas förderten Buddhismus und
Hinduismus. Im 5. und 6. Jahrhundert erfolgte der Niedergang des
Gupta-Reiches bedingt durch Reichsteilung und Hunneneinbrüche. Letztere verwüsteten Nordindien und beendeten die Zeit der blühenden Stadtkultur.

Harsha-Reich
Zwischen 606 und 647 regierte Harshavardhana
in Nordindien. Er gilt als einer der letzten großen Förderer des
Buddhismus, seine Zeit markiert den Übergang zum indischen Mittelalter.
Sein Versuch zur Unterwerfung Zentralindiens scheiterte aber: hier
wechselten sich die Chalukya- und Pallava-Könige ab.
Pratihara, Rashtrakuta, Pala
Vom 8. bis 10. Jahrhundert teilten sich die Rashtrakuta in Zentralindien (ca. 752-973), die Pala in Bengalen (ca. 750-1161) und die Pratihara (ca. 730-1036) im Nordosten Indiens die Macht. Die Pratihara-Könige sind die Vorgänger der Rajputen-Fürsten, und übernahmen wie diese auch die Verteidigung gegen die moslemischen Eindringlinge, z.B. Mahmud von Ghazna. Alle drei Parteien kämpften beständig um die alte Hauptstadt Harshas, Kannauj am Ganges, wobei sie längere Zeit in die Hand der Pratiharas kam.
Diese Jahrhunderte gelten als das indische Mittelalter. Keine
Großmacht war in der Lage sich durchzusetzen und militärische Erfolge
blieben nicht von Dauer. Die Macht der Könige basierte auf der Anzahl
und Zuverlässigkeit der Vasallen,
während ihre Zentralverwaltungen schwach ausgeprägt waren und sich
oftmals nur auf den Umkreis der Hauptstadt erstreckten. Nicht nur
Vasallenkönige, sondern auch Provinzgouverneure hatten ein eigenes Heer
und ernannten ihre Beamten selbst. Ihr Amt wurde oftmals weitervererbt,
so dass aus ihnen neue Dynastien entstanden. Wie im europäischen Mittelalter war die Macht der Könige trotz großer äußerer Erfolge nur scheinbar.
Die Menschen des indischen Mittelalters lebten meistens auf dem Lande. Eine Besonderheit indischer Reiche wie das der Rashtrakuta und Chola
waren die damit verbundenen autarken Dorfgemeinschaften. In den Dörfern
und Bezirken sorgten Räte aus Mahattaras (d.h. die Größeren) für
öffentliche Arbeiten an Straßen und Wasserspeichern, für das
Gerichtswesen und die Tempel. Sie wurden nicht von der Dynastie ernannt
und waren unabhängig von der Lage bei Hofe. Kam der Steuereintreiber
vorbei, so hatten sie die Steuern oft schon eingesammelt und lieferten
sie dann pauschal ab.
Die Hofkultur, Baukunst wie auch hinduistische Philosophie
verfeinerte sich auf der Basis bereits existierender Formen und
Erkenntnisse, brachte aber wenig Neues hervor, so dass man auch von
einer Erstarrung der sozialen Struktur bzw. Gesellschaft spricht. Die
Landeigentümer holten nun soviel wie möglich aus den Bauern heraus und
schufen sich auch wirtschaftliche Monopole. Im indischen Mittelalter
wurde zum Beispiel oft die gesamte Dorfbevölkerung mitverschenkt, wenn
aufgrund Geldmangels (wenig Bargeld bei mangelndem Fernhandel)
Landschenkungen statt fester Gehälter gemacht wurden.
Die Landschenkungen an Brahmanen nahmen im 10. und 11. Jahrhundert
ein wesentlich größeres Ausmaß an. Davon erhofften sich die Könige auch
eine Schwächung der Provinzgouverneure bzw. einen starken Rückhalt für
sich selbst.
Der Buddhismus wurde weiter zurückgedrängt, da er sich nur auf die
oberen Klassen stützte. Mit der nachlassenden Macht der Könige wurde
die Unterhaltung der buddhistischen Klöster für die Dorfgemeinschaften
zu kostspielig und hier rächte sich der fehlende Rückhalt im Volk, wo
die Brahmanen dominierten. Dazu kam, dass Teile seiner Lehren und Ausdrucksformen durch Denker wie Shankara in den Hinduismus integriert wurden.
Chola
Das Chola-Reich
gehört zu den wichtigen südindischen Reichen, denen es jedoch nie
gelang, auch Nordindien zu beherrschen. Seine Blütezeit dauerte vom 9.
bis zum 13. Jahrhundert. Die großen Eroberer aus dieser Dynastie waren Rajaraja I. (reg. 985-1012/14) und sein Sohn Rajendra I. (1012/14-44). Ihre wichtigsten Rivalen waren zu jener Zeit die bereits erwähnten Chalukya (ca. 550-750 und 973-1190) und Pallava (575-897).
Im Norden begann zur Blütezeit der Chola im 11. Jahrhundert die Invasion der Moslems unter Mahmud von Ghazna, welche die Rajputen-Könige besiegten und bis Kannauj vordrangen.

Delhi-Sultanat
Im frühen 8. Jahrhundert begann eine arabische bzw. islamische Infiltration in Indien. Mit einem Sieg über die Rajputen Prithvirajas III. bei Delhi 1192 setzen sich die Moslems unter Muhammad von Ghur in Nordindien durch. 1199 versetzten sie auch dem Buddhismus mit der Zerstörung von Nalanda den Todesstoß. In Bengalen fiel 1202 die Sena-Dynastie einem General Muhammads zum Opfer. Die Katastrophe lag u.a. daran, dass die indische Kriegführung Aufgabe der Krieger-Kaste Kshatriya war und nicht Aufgabe des Volkes, und auch den ritterlichen Spielregeln dieser Kaste unterlag. Berufssoldaten,
Zwangsrekrutierte wie Abenteurer fanden sich auf Hindu- wie
Moslem-Seite, aber die Hindus achteten auf Stil und Ehrenkodex und
mussten die Truppen vieler Kleinkönige mit ihren lokalen Traditionen
unter einen Hut bringen, die nicht die Ergebenheit einem Führer
gegenüber kannten.
Die Eroberung stellte aufgrund der andersgearteten Moslemkultur
einen tiefen Einschnitt dar: so zum Beispiel war und ist Moslems die
bildliche Darstellung Gottes nicht erlaubt, während sie bei den Hindus
eine Grundlage der Tempelgestaltung war. Die Moslems hatten einen
einzigen Gott, die Hindus viele. Die Sanskrit-Literatur
wurde nutzlos und verfiel. Trotzdem kam es im Laufe der Zeiten
schließlich zu einer Wechselwirkung zwischen beiden Kulturen: die
Sprache Urdu
bildete die Basis wirtschaftlicher und administrativer Verständigung,
die Architektur bildete einen indo-islamischen Stil heraus, und Denker
wie Kabir (1440–1518) versuchten Islam und Hinduismus zu verschmelzen.
Die Muslime begründeten 1206 das Sultanat von Delhi, das zeitweise fast ganz Indien beherrschte und 1398 in einem Angriff des türkisch-mongolischen Eroberers Timur Leng entscheidend geschwächt wurde, so dass hinduistische Dynastien an Einfluss zurückgewinnen konnten (Vijayanagar
in Südindien). Das Sultanat war innerlich nicht sonderlich stabil,
Revolten der Statthalter und unterworfener Fürsten sowie
Umsturzversuche bei Hofe füllten seine Geschichte aus.

Bahmani-Sultanat
Das Bahmani-Sultanat war ein islamischer Staat in Zentralindien und
existierte von seiner Gründung 1345/47 bis zu seinem Zerfall nach 1489.
Bahman-Shah übernahm oder besiegte die restlichen Truppen des
Delhi-Sultans im Süden und kämpfte gegen seine hinduistischen Nachbarn.
Das Bahmani-Sultanat löste sich unter dem letzten Sultan Mahmud Shah
IV. (1482–1512) auf. Aus ihm gingen die fünf Dekkan-Sultanate Bijapur, Golkonda, Ahmadnagar, Bidar und Berar hervor.
Vijayanagar
Um 1336/46 begann der Aufstieg des Königreiches Vijayanagar
(wörtl.: Stadt des Sieges) in Südindien, das bis 1565 existierte. Es
war nach einer gleichnamigen Stadt benannt und repräsentierte (neben
dem Königreich Orissa) das wieder unabhängige, hinduistische Indien.
Die Gründer waren die Brüder Harihara und Bukka, die möglicherweise Vasallen der Hoysala-Könige
waren. Vijayanagar erlangte eine beachtliche Machtstellung in
Südindien. Dazu kam eine gegen Mitte des 15. Jahrhundert sehr starke
Armee, die über 35.000 Reiter und Kriegselefanten verfügte. 1565 wurde
das Königreich von muslimischen Generälen erobert.

Die Großmoguln
1526–1857: Das Reich der islamischen Großmoguln beherrschte Nord-
und Zentralindien. Es stellt den Höhepunkt der Moslemkultur auf diesem
Kontinent dar, repräsentiert durch das Taj Mahal, das Rote Fort in Agra, Humayuns Grabmal oder Fatehpur Sikri. Der Ruhm dieses Reiches strahlte bis nach Europa aus.
Die Moguln unterschieden sich von den früheren Delhi-Sultanen mit ihrer auf Kontinuität ausgerichteten Verwaltung, die vor allem das Werk Akbars († 1605) war. Er, seine Minister und Nachfolger (ausgenommen Aurangzeb)
bemühten sich in erster Linie unter politischen und nicht unter
religiösen Gesichtspunkten zu regieren, wie es bei den mächtigsten der
Delhi-Sultane noch nicht der Fall gewesen war. Akbar brachte
schließlich einen Ausgleich zwischen Hindus und Moslems zustande.
Dementsprechend war das Mogulreich auch stabiler.
Das Indien des 17. und 18. Jahrhunderts hatte durchaus eine
fortschrittliche wirtschaftliche und finanzielle Organisation
vorzuweisen. Die Produktionstechniken in den Karkhanas (Manufakturen)
der Mogulzeit waren spezialisiert, d.h. Handwerker arbeiteten
gruppenweise an bestimmten Werkstücken und Arbeitsvorgängen. Es gab –
wie in Europa auch – staatliche Anleihen für die Förderung der
Wirtschaft. Handgewebte Stoffe wurden in großer Zahl in Asien zwischen
Japan und Ostafrika verkauft. Nur hing diese Blüte von der Stabilität
des Zentralstaates ab.
Marathen
Beim Zerfall der Mogulmacht unter dem strenggläubigen Aurangzeb († 1707) entstand das Reich der Marathen (1674–1818, gegründet von Shivaji) in Südwestindien. Es stellte die letzte indische Großmacht vor der Kolonisierung Indiens durch die Briten
dar und war nicht sonderlich gut organisiert. Statt eines
zentralistischen Marathen-Staates bildete sich allmählich eine
Konföderation von Kleinkönigen heraus, zusammengehalten durch die
Autorität des Premierministers, des Peshwa.

Britische Ostindien-Kompanie
In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts dehnten die Briten nach Verdrängung der Franzosen und Portugiesen ihren Machtbereich aus. 1757, nach der Schlacht bei Plassey, ergriffen die Truppen der britischen Ostindien-Kompanie Bengalen und plünderten die bengalische Schatzkammer. Zunächst sicherten die Briten unter General Robert Clive
nur ihre Handelsinteressen in Bengalen ab, indem sie sich in die
Streitigkeiten der indischen Fürsten einmischten. Bald aber erwiesen
sie sich als ehrgeizige und flexible Machthaber.
1769 kam Warren Hastings nach Bengalen,
1771 wurde er dortiger Gouverneur und wies seine Leute an, die
Verwaltung zu übernehmen. Die Kompanie hielt sich immer hinter der
fiktiv aufrechterhaltenen Herrschaft des Nawabs
von Bengalen versteckt. Hastings und seine Nachfolger verknüpften
indische Soldaten mit europäischer Kriegführung und britische
Handelsgewinne mit indischen Steuern, bekämpften die bei Indern und
Briten gleichermaßen weitverbreitete Korruption, schlossen
Schutzverträge ab und übernahmen Landstrich um Landstrich.
Die Britische Ostindien-Kompanie monopolisierte den Handel von
Bengalen. Bengalische Handwerker waren an die Handelsvertretungen der
Kompanie unvermeidlich gebunden, indem sie verpflichtet waren, ihre
Waren zu einem minimalen Preis zu liefern. Ihre Steuerlast erhöhte sich
stark. Das Resultat war die Hungersnot von 1769 bis 1770, in der zehn
Millionen Einwohner von Bengalen starben. Von 1813 bis 1948 unterstand
Indien den Briten und wurde als Kolonie ausgebeutet. In Indien begann
eine lange Periode, in der einheimische Industrien zusammenbrachen. Zu
dieser Zeit starben bis zu 40 Millionen Inder an Hunger.
Die indische Weberei als Industriezweig wurde zum Beispiel durch die
beginnende Maschinenproduktion in Europa ruiniert, der europäische
Markt war verschlossen, zur gleichen Zeit führte England Fertigkleidung
in Indien ein. 1835 fielen die Inlandszölle weg und der Binnenhandel
wuchs an. Die Privilegien der Ostindischen Kompanie wurden schon 1813
abgeschafft. Aber die Investitionen hielten sich in engen Grenzen, denn
der europäische und amerikanische Markt waren sicherer und hatten
bessere logistische Voraussetzungen vorzuweisen. Als Gegenmaßnahmen
begann man 1839 mit dem Bau einer großen Straße zwischen Kolkata (Calcutta) und Delhi. Banken wurden eingerichtet, Dampfer auf den Flüssen eingesetzt und ab 1853 begann man mit dem Bau der ersten Eisenbahnlinie.
Sepoy-Aufstand
Die nach europäischem Vorbild ausgebildeten indischen Soldaten (Sepoy)
waren damals die tauglichsten in Asien, sie wurden von Briten befehligt
und zählten 1830 187.000 Mann. Inder konnten bloß bis zum
Kompanieführer aufsteigen. Die rein europäischen Regimenter zählten
dagegen bloß 16.000 Mann. Allerdings endete nach dem Aufstand von 1857/58
die Herrschaft der Britischen Ostindien-Kompanie, ihre letzten
Machtbefugnisse bzw. Sonderrechte wurden an die Krone übertragen. Der
Sepoy-Aufstand wird mitunter auch als erste Befreiungsbewegung gegen
die Briten gesehen, da er auf dem Widerstand gegen Beschneidung
angestammter Rechte und Traditionen beruhte.

Kaiserreich Indien
1877 nahm Königin Victoria von England den Titel „Kaiserin von Indien“ an. Das Kaiserreich Indien in Personalunion mit Großbritannien umfasste das heutige Indien, Pakistan, und Bangladesch und bestand bis 1947. 1866 war auch Birma von Großbritannien besetzt und an Britisch-Indien angeschlossen worden (bis 1937).
1885 gründeten Hindus und Moslems gemeinsam den Indischen Nationalkongress,
der für die Unabhängigkeit Indiens eintrat. Wegen des wachsenden
Einflusses der Hindus im INC kam es 1906 zur Gründung der
rivalisierenden Muslimliga.
Indischer Nationalkongress und Muslimliga verfassten 1916 gemeinsam
eine Erklärung mit Forderungen nach indischer Unabhängigkeit. Diese
wurde von der britischen Regierung im August 1917 mit einer politischen
Absichtserklärung beantwortet, Indien einen allmählichen Übergang zur
Selbstregierung zuzugestehen. Nach dem Ersten Weltkrieg, in dem 1,3 Millionen Mann der Indischen Armee auf britischer Seite kämpften, war das weiterhin unter britischer Herrschaft stehende Indien eines der Gründungsmitglieder des Völkerbunds.
Unter der Führung Mahatma Gandhis
(1869–1948) kam es in der Zwischenkriegszeit zum passiven Widerstand
gegen die britische Herrschaft. Gandhi bemühte sich dabei um die
politische Einheit zwischen Hindus und Muslimen. Innerhalb des
Indischen Nationalkongresses gab es zu dieser Zeit insbesondere unter
der Führung Subhash Chandra Boses in den späten 1930er Jahren Richtungsstreitigkeiten über den Einsatz von Gewalt gegen die britische Herrschaft. 1935 wurden im Government of India Act (1935)
Wahlen zu Provinzparlamenten in die Wege geleitet, die der Indische
Nationalkongress im Jahr 1937 in sieben von elf Provinzen gewann. Im
selben Jahr wurde Birma zur unabhängigen Kronkolonie erhoben.
Obwohl die indische Öffentlichkeit ganz und gar nicht mit den Nazis sympathisierte und Englands Haltung gegenüber Deutschland
begrüßte, erklärten die führenden politischen Kräfte Indiens, nur in
den Krieg eintreten zu wollen, wenn im Gegenzug Indien seine
Unabhängigkeit erhalten würde. Der britische Generalgouverneur erklärte
beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges den Kriegszustand
des Indischen Empire mit Deutschland jedoch, ohne die indischen
Politiker zu konsultieren. Zu Beginn des Krieges hatte Indien eine
Armee von rund 200.000 Mann, bei Ende hatten sich 2,5 Millionen
Freiwillige gemeldet: die größte Freiwilligen-Armee im Zweiten
Weltkrieg. Am Anfang wurden indische Soldaten vor allem in Afrika
eingesetzt. Bei der Invasion in Italien stellten sie das drittgrößte
Truppenkontingent. Des weiteren stellten sie große Truppenverbände für
den Kampf in Burma. Doch auch auf der Seite der Deutschen kämpften
Inder. Subhas Chandra Bose war nach Europa geflüchtet und gründete dort
ein mit der Wehrmacht kämpfendes 3.500 Mann starkes Kontingent aus
indischen Kriegsgefangenen, die Indische Legion.
Sie wurde jedoch kaum eingesetzt und fast ohne Verluste 1945
gefangengenommen und an Indien übergeben. Erst sollten die Soldaten des
Hochverrats
angeklagt werden, aber aufgrund von Protesten der indischen Bevölkerung
ließ man die Anklage fallen. Subhas Chandra Bose war schon 1943 nach Japan
gegangen und hatte dort die Indische Nationale Armee gegründet, die
anfangs aus 40.000 Indern bestand, zum Teil auch britischen
Kriegsgefangenen. Als Japan Burma angriff, kämpfte die Indische Nationale Armee auf der Seite der japanischen Armee,
sonst wurde sie praktisch nicht eingesetzt. Zeitgleich mit Japan
kapitulierte auch die Indische Nationale Armee. Insgesamt wurden 87.000
Soldaten getötet.

1945–1949
Unter dem Namen All India Congress erkämpften Jawaharlal Nehru
und Mahatma Gandhi schließlich nach 1945 die Unabhängigkeit des Landes.
1947 hörte das Kaiserreich Indien auf zu bestehen. Jawaharlal Nehru und
Mahatma Gandhi konnten die im Mountbattenplan festgelegte Teilung des indischen Subkontinents in das überwiegend von Hindus bewohnte Indien und den moslemischen Staat Pakistan im Industal und der Gangesmündung nicht verhindern. Mahatma Gandhi wurde am 30. Januar 1948 von einem fanatischen Hindu ermordet.
Indien erlangte als ehemalige Kolonie und Teil von Britisch-Indien
unter dem Namen „Indische Union“ am 15. August 1947 die Unabhängigkeit
von Großbritannien. Der gesamte indische Subkontinent wurde in einen
hinduistischen, einen islamischen und einen kleineren buddhistischen
Staat (Indien, Pakistan und Sikkim) geteilt. Sikkim wurde nach dem Scheitern einer Volksabstimmung zur Vereinigung mit der Indischen Union im selben Jahr wieder ein souveränes Königreich, nachdem es bereits unter Großbritannien schon für 130 Jahre ein Königreich mit begrenzter Autonomie gewesen war.
Der Konflikt um Kaschmir führte letztlich zum Ersten Indisch-Pakistanischen Krieg, der 1949 mit der De-facto-Zweiteilung Kaschmirs unter Vermittlung der Vereinten Nationen endete.
Indien blieb vorerst eine Monarchie innerhalb des Britischen Commonwealth. Staatsoberhaupt blieb König Georg VI. von Großbritannien. Das Amt des Regierungschef übernahm Jawaharlal Nehru (1889–1964), er war zuvor einer der zentralen Führer im indischen Freiheitskampf.

Mit dem Beschluss des britischen Parlaments vom 18. Juli 1947, Indien und Pakistan als Dominions in die Unabhängigkeit zu entlassen, wurden die indischen Fürstenstaaten, die bislang unter britischem Protektorat
gestanden hatten, voll souverän. Die Fürsten konnten entscheiden, ob
und welchem der neuen Staaten sie sich anschließen wollten. Bis zum 17.
August erklärten alle bis auf drei (Hyderabad, Junagadh und Kaschmir)
ihren Beitrittswillen und übertrugen die Zuständigkeit für Äußeres,
Verteidigung und Kommunikation, für die bisher die britische
Schutzmacht – bzw. der Vizekönig – zuständig gewesen war, an die neuen Staaten. Die kleineren Fürstenstaaten schlossen sich zu Föderationen zusammen. Fast alle Fürstenstaaten erklärten im Laufe des Jahres 1949 formell den vollen Anschluss an Indien oder Pakistan.
Die Verfassung der Republik Indien vom 26. Januar 1950 sah drei Kategorien von Staaten vor:
A. Die ehemaligen britischen Provinzen, regiert durch gewählte Gouverneure.
B. Ehemalige Fürstenstaaten oder Vereinigungen von Fürstenstaaten, regiert durch Rajpramukhs (vom Staatspräsidenten anerkannte Maharajas oder andere Fürsten). Die B-Staaten waren Hyderabad, Saurashtra, Mysore, Travancore, Madhya Bharat, Vindhya Pradesh, Patiala and the East Punjab States (PEPSU) sowie Rajasthan.
C. Ehemalige britische Provinzen oder Fürstenstaaten, regiert durch
einen von der Zentralregierung ernannten Gouverneur. C-Staaten waren Ajmer, Bhopal, Coorg, Delhi, Himachal Pradesh, Bilaspur, Kachchh, Manipur, Tripura und später auch Vindhya Pradesh.
Am 1. November 1956 wurde diese Regelung aufgehoben, alle Staaten
gleichgestellt und die Fürsten abgesetzt. Sie erhielten zum Ausgleich Apanagen, die jedoch 1971 abgeschafft wurden.

1949–1955
Am 26. November 1949 konstituierte sich Indien als Republik. Erster Präsident wurde Rajendra Prasad von (1950–1962), am 26. Januar 1950 trat die erste indische Verfassung in Kraft.
1950 kam es zu einem Vertrag mit dem Königreich Sikkim, gemäß dem
Indien die Verantwortung für Verteidigung, Außenpolitik,
Telekommunikation und anderen Angelegenheiten übernahm, was zunehmend
dazu führte, dass Sikkim seine „internationale Persönlichkeit“ verlor
und ab 1965 zu einem mit Indien assoziierten Königreich wurde.
Am 1. November 1954 gab Frankreich die letzten unter französischer Herrschaft stehenden Gebiete (Französisch-Indien) an die Indische Union zurück (Pondicherry, Chandannagar, Karaikal, Mahé und Yanam).
1956–1980
Indien gewährte 1959 dem Dalai Lama, dem Oberhaupt der Tibeter, politisches Asyl. Dieser bildete in Dharmshala (Himachal Pradesh) eine tibetische Exilregierung.
Mit der Besetzung und der Annexion von Portugiesisch-Indien (Goa, Damão und Diu) wurden im Dezember 1961 die letzten Kolonien auf indischem Boden beseitigt.
Am 20. Oktober 1962 begann der Indisch-Chinesische Krieg. Indien erlitt eine Niederlage und China annektierte im Norden und Nordosten indisches Territorium.
1962 wurde der international angesehene Philosoph Sarvepalli Radhakrishnan indischer Präsident.
Nach Nehrus Tod 1964 übernahm Jawaharlal Nehrus Tochter Indira Gandhi am 24. Januar 1966 nach einer zweijährigen Zwischenphase die Regierung und wurde Premierministerin.
Indien griff im Dezember 1971 in den Sezessionskrieg in Ostpakistan zugunsten eines unabhängigen Bangladesch ein, was einen dritten Indisch-Pakistanischen Krieg zur Folge hatte.
Am 18. Mai 1974 unternahm Indien einen ersten unterirdischen Kernwaffenversuch (Operation Smiling Buddha) und zündete somit seine erste Atombombe.
Nach politischen Unruhen im Königreich Sikkim intervenierte die Regierung Indira Gandhis
im Jahre 1975 um angeblich gemäß einem Wunsch des Ministerrats von
Sikkim die Ordnung wiederherzustellen. Die Situation wurde jedoch von
Indien dazu ausgenutzt, das kleine Königreich zu annektieren. Nach
einer erneuten Volksabstimmung zur Vereinigung mit Indien am 14. April
1975 wurde der Choygal (König) von den indischen Behörden abgesetzt und es wurde der Beitritt Sikkims zur Indischen Union bekanntgegeben.
Am 26. April 1975 wurde das ehemalige Königreich Sikkim zum 22. Bundesstaat der Indischen Union.
Die zweite Hälfte der ersten Regierungszeit Indira Gandhis war geprägt von Unruhen und Separationsbewegungen einzelner Landesteile, so dass sie Mitte der siebziger Jahre den Notstand ausrief und die demokratischen Rechte beschränkte.
Um ihren Kurs vom Volk absegnen zu lassen, rief sie 1977 Wahlen aus,
was aber zu ihrem Sturz führte. Nach drei turbulenten Jahren konnte sie
1980 ein triumphales Comeback feiern.
1981–2001
Mitglieder der Religion der Sikhs rebellierten am 19. Juli 1982 in Amritsar und riefen mit der Forderung nach einem unabhängigen Sikh-Staat im Punjab zum Kampf gegen die Regierung auf. Als der Konflikt weiter eskalierte und Gruppen im Punjab versuchten, einen Sikhstaat Khalistan zu gründen, ließ Indira Gandhi im Juni 1984 den Goldenen Tempel in Amritsar stürmen. Aus Rache wurde sie am 31. Oktober 1984 von einem ihrer Sikh-Leibgardisten ermordet. Am 3. Dezember 1984 kam es in Bhopal zu einer Giftgaskatastrophe im Chemiewerk der US-amerikanischen Firma Union Carbide mit mehr als 2000 Toten.
Unter ihrem Sohn Rajiv Gandhi,
der ihr problemlos im Amt nachfolgte, wurden in Indien
Liberalisierungen in der Wirtschaft eingeführt. Wegen
Korruptionsvorwürfen verlor Rajiv Gandhi am 29. November 1989 jedoch
die Macht. Trotz des relativ guten Abschneidens der Kongresspartei bei der Wahl 1989 bildete sich eine Koalition gegen eine von der Kongresspartei geführte Regierung.
Es folgten erst kurzlebige Koalitionsregierungen unter verschiedenen Premierministern, ehe 1991 P. V. Narasimha Rao die Regierung stabilisieren konnte und bis 1996 konsequent wirtschaftliche Reformen durchsetzte.
Bei einer Wahlkampfrede zu Regionalwahlen in Südindien wurde Rajiv Gandhi an 21. Mai 1991 von separatistischen Rebellen aus Sri Lanka (Tamil Tigers) durch einen Sprengstoffanschlag getötet.
Im Jahre 1997 übernahm mit K. R. Narayanan erstmals ein Kastenloser als Staatspräsident das höchste Amt im Staate.
Der Parteivorsitzende der Bharatiya Janata Party (BJP), Lal Krishna Advani löste mit Hetzparolen bei der Zerstörung Ayodhyas 1992 Unruhen in Mumbai
aus und verstärkte die Spannungen zwischen den Religionsgruppen. Das
war wohl einer der Gründe, dass Rao die Wahl von 1994 nicht klar gewann
und er 1996 durch Koalitionswechsel einiger Parteien abgelöst wurde. Es
trat eine neue Phase der Instabilität auf. Erst Atal Behari Vajpayee konnte am 19. März 1998 wieder eine stabile Regierung bilden, welche die Wahlen von 1999 klar gewann.
Diese Wahl brachte die Indische Volkspartei BJP an die Spitze Indiens. Mit nationalistischen Parolen und dem Marsch auf Ayodhya
hatte die BJP die Wahlen gegen die Kongresspartei gewonnen. Die
polarisierende und pro-hinduistisch ausgerichtete Politik stand ganz im
Zeichen der Hindutva-Bewegung, welche die Hinduisierung Indiens zum Ziel hatte.
Vajpayee reformierte jedoch erfolgreich die Wirtschaft, was zu einem
Boom führte, der aber die Lage vor allem die ärmeren Inder kaum
verbesserte.
2002 bis heute
In den Jahren 2002 und 2003 drohte Indien ein Krieg gegen Pakistan
wegen dessen anhaltender Unterstützung muslimischer Rebellen in
Kaschmir.
Nach einem Anschlag auf einen Zug mit Pilgern im Jahre 2002 begannen Massaker in Gujarat,
die von der dort regierenden Indischen Volkspartei nur halbherzig
bekämpft wurden. Diese Unruhen haben moderate Hindus zu einem gewissen
Umdenken gebracht, zumal die von der Indischen Volkspartei
hochgehaltene Vision eines Shining India („Glänzenden Indiens“)
weite Teile der Bevölkerung, die nicht vom Boom der letzten Jahre
profitierten, ob der hochgesteckten Ziele eher skeptisch werden ließen.
Bei der Parlamentswahl vom Mai 2004 erzielte die oppositionelle Kongresspartei unter Sonia Gandhi
einen unerwarteten Sieg. Sonia Gandhi (* 1946), Ehefrau des 1991
ermordeten Premierministers Rajiv Gandhi, stieß wegen ihrer
italienischen Herkunft jedoch auf Widerstand und verzichtete auf das
Amt als Regierungschefin. Neuer Ministerpräsident wurde am 22. Mai 2004
der 1932 geborene Manmohan Singh – ein Angehöriger der Sikh-Religion.
In Folge der Flutkatastrophe (Tsunami)
nach dem Seebeben vom 26. Dezember 2004 vor Sumatra starben in
Südostindien mindestens 12.407 Menschen (bis 24. Juni 2005 bestätigt,
möglicherweise sogar über 16.000); Weiteres siehe Erdbeben im Indischen Ozean 2004.
2005 erhielt Indien gleichzeitig mit Pakistan und dem Iran den Status als Beobachter bei der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO).

Om Nama Sivaya
Tomy
- Shankar
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